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Grenzüberschreitungen – Exil, Identität, Spiritualität. Ein Festival zum 90. Geburtstag von Leonid Hrabovsky, Giya Kancheli und Arvo Pärt
Dezember 5 | 19:30 – Dezember 7 | 22:00
8 € – 45 €
In Situ Art Society präsentiert
Grenzüberschreitungen – Exil, Identität, Spiritualität
Ein Festival zum 90. Geburtstag von Leonid Hrabovsky, Giya Kancheli und Arvo Pärt
Eintritt zu Konzerten: 18 € | 12 € ermäßigt (für Mitglieder der In Situ Art Society: 12 € | 8 € ermäßigt)
3-Tage-Pass: 45 € | 30 € ermäßigt (für Mitglieder der In Situ Art Society: 30 € | 20 € ermäßigt)
Kartenreservierung: tickets@in-situ-art-society.de | Tel.: 0177 4046531
Freitag | 5. Dezember 2025 | 19:30
Kirche St. Joseph
Kaiser-Karl-Ring 2, 53111 Bonn
• Pärt: Da pacem Domine (2004) für Chor
• Pärt: Pari intervallo (1980) für Orgel
• Pärt: An den Wassern zu Babel (1976/84) für Chor und Orgel
• Hrabovsky: STR-O-r-GAN (2020) für Orgel
• Hrabovsky: Temnere Mortem (1991) für Chor (Fragmente)
• Pärt: De Profundis (1980) für Chor, Orgel und Perkussion
• Pärt: Berliner Messe (1990) für Chor und Orgel (Fragmente)
• Pärt: Trivium (1976) für Orgel
• Kancheli: Lulling the Sun (2008) für Chor und Perkussion
Vokalensemble Alter Ratio (Kyiv)
Jacobus Gladziwa (DE) – Orgel
Vera Seedorf (DE) und Arturo Portugal (PE/DE) – Perkussion
Olga Prykhodko (UA) – Dirigentin
Samstag | 6. Dezember 2025 | 19:30
Dialograum Kreuzung an St. Helena
Bornheimer Straße 130, 53119 Bonn
• Hrabovsky: And It Will Be (1993) für Sopran, Violine, Klarinette, Klavier, Synthesizer und Perkussion (Text: Mykola Worobjow)
• Pärt: Spiegel im Spiegel (1978) für Altflöte und Klavier
• Hrabovsky: Concerto misterioso (1977) für Flöte, Klarinette, Fagott, antike Zimbeln, Cembalo, Harfe, Violine, Viola und Violoncello
• Igor Stravinsky: Symphonies of Wind Instruments (1920/1947). Transkription für Bajan solo von Leonid Hrabovsky (1982)
• Pärt: Für Alina (1976) für Klavier solo
• Hrabovsky: EQVIN (2019) für Violine und Klavier
• Hrabovsky: Kogda (Wann) (1987) für Mezzosopran, Violine (+Viola), Klarinette, Klavier und Perkussion (Text: Welimir Chlebnikow)
Natalia Pschenitschnikova (DE) – Stimme
Roman Yusipey (UA/DE) – Bajan
ensemble mosaik (Berlin)
Sonntag | 7. Dezember 2025 | 19:30
Dialograum Kreuzung an St. Helena
Bornheimer Straße 130, 53119 Bonn
• Pärt: Fratres (1980) für Viola und Klavier
• Kancheli: Time… and Again (1996) für Violine, Viola und Violoncello
• Pärt: Passacaglia (2003) für Violine und Klavier
• Kancheli: Themes from the Songbook (1993–2010/2016) für Bajan solo (Fragmente)
• Kancheli: Caris Mere (1993–94) für Sopran und Viola (Text: liturgisch)
• Kancheli: Exil (1993–94) für Sopran, Flöten, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klavier und Synthesizer (Texte: Psalm 23, Paul Celan, Hans Sahl)
Natalia Pschenitschnikova (DE) – Stimme
Roman Yusipey (UA/DE) – Bajan
ensemble mosaik (Berlin)
Warum sollte man diesen drei Komponisten heute ein Festival widmen? Was macht ihre Werke zeitgemäß? Und was verbindet sie, außer, dass sie im Jahr 1935 geboren wurden – am 28. Januar in Kiew (Ukraine), am 10. August in Tiflis (Georgien) und am 11. September in Paide (Estland)?
Jeder der drei Komponisten hat seinen eigenen Stil und seinen individuellen künstlerischen Werdegang, doch es gibt auch markante Gemeinsamkeiten. Sie kannten sich, waren befreundet und sowohl zeitlich als auch geografisch miteinander verbunden. Vor allem aber eint sie die Erfahrung des repressiven Sowjetregimes, das Andersdenken, freie künstlerische Entfaltung und nationale Eigenart unterdrückte und nivellierte.
Innerhalb eines Jahrzehnts emigrierten alle drei, was für sie Heimatverlust und Transformation bedeutete. Heimweh und die Suche nach kultureller Identität durchziehen ihr Schaffen ebenso wie das Streben nach einer universellen musikalischen Sprache, die verschiedene Grenzen überwindet. Trotz der geografischen Distanz ist die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Herkunft ein zentrales Element ihres Schaffens geblieben. Dies zeigt sich besonders deutlich in ihren Kompositionen für Stimme und Chor.
Arvo Pärt wuchs im sowjetisch kontrollierten Estland auf und begann dort seine Karriere. Seine Auseinandersetzung mit religiöser Musik und westlicher Avantgarde brachte ihn in Konflikt mit der sowjetischen Kulturpolitik. Nach seiner Emigration nach Westdeutschland 1980 konnte Pärt seine Musik frei entfalten, blieb aber stark von seiner estnischen Herkunft und der spirituellen Atmosphäre des Landes geprägt, was sich in seiner reduzierten, kontemplativen Musik widerspiegelt.
Der georgische Komponist Giya Kancheli fühlte sich in der Sowjetunion oft missverstanden, da seine Werke nicht den Erwartungen an eine „sozialistisch-realistische“ Kunst entsprachen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Bürgerkrieg in Georgien zog er in den 1990er Jahren nach Westeuropa, wo er sich in Deutschland und Belgien niederließ. Trotz seines Exils blieb seine Musik tief in der georgischen Kultur verwurzelt. Seine Werke spiegeln die Trauer über den Verlust der Heimat und das Bedauern über die bedrohte kulturelle Identität wider.
Leonid Hrabovsky, Vertreter der ukrainischen Avantgarde der 1960er Jahre, sah sich in der sowjetischen Musikszene starken Restriktionen ausgesetzt. Seine subversive, westlich geprägte Musiksprache wurde in der Sowjetunion nicht akzeptiert. Nach seiner Emigration in die USA 1991 konnte er seine künstlerische Freiheit entfalten, blieb aber tief in seiner ukrainischen Identität verwurzelt, was sich in der Verwendung volkstümlicher Melodien und der Reflexion über die politische und kulturelle Situation seiner Heimat ausdrückt.
Die Werke dieser Komponisten sind stark von spirituellen, philosophischen und existenziellen Themen geprägt. Ein gemeinsames Merkmal ist ihre spirituelle Tiefe. Jeder von ihnen hat eine Musiksprache entwickelt, die tief religiös inspiriert ist. Arvo Pärt ist bekannt für seinen „Tintinnabuli“-Stil, der vom orthodoxen Christentum beeinflusst ist. Giya Kancheli integriert häufig Elemente georgischer Spiritualität in seine Musik, während Leonid Hrabovsky metaphysische Themen und die Suche nach universeller Harmonie in den Mittelpunkt seiner Werke stellt.
So unterschiedlich ihre Stile auch sind, gemeinsam ist ihnen die Vorliebe für klare, reduzierte musikalische Strukturen. Vor allem Pärt und Kancheli nutzen den minimalistischen Ansatz, um mit wenigen Mitteln große Ausdruckskraft zu entfalten und eine tiefere emotionale Wirkung zu erzielen.
Ihre Musik ist von spirituellen, philosophischen und existenziellen Themen durchzogen, was sie nicht von politischen Fragen fernhält. Ihre unbeugsame Haltung gegenüber Ungerechtigkeit und ihre Unterstützung für Freiheit und Zivilcourage spiegeln sich sowohl in den Inhalten ihrer Werke als auch in den Entscheidungen, die sie in Bezug auf ihre Kunst und politische Positionierung trafen. In einer Zeit, in der politische und gesellschaftliche Fragen weiterhin von Bedeutung sind, bleibt ihr Erbe sowohl als künstlerische als auch als politische Botschaft von großer Relevanz.
Gefördert durch:
• Ernst von Siemens Musikstiftung
• Kunststiftung NRW
• Shevchenko Scientific Society (New York)
Mit freundlicher Unterstützung von:
• Kreuzung an St. Helena – Ein Dialograum für christlichen Kult und zeitgenössische Kultur e. V. (www.kreuzung-helena.de)
• falschnehmung.de – sachdienliche Betrachtungen zu Visionen und Visuellem, Kultur, Irrsinn und anderen Formen der Wahr-Nehmung (www.falschnehmung.de)
• PanRec – a video label for jazz and improvised music (www.panrec.com)
Foto: Siora Photography | siora.pixieset.com
